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25. Die Kristallzwerge

Bild von Ursula auf Pixabay
Amethystkristall

Nun konnten wir ohne Bedenken unsere neue Unterkunft in der Bogenschänke aufsuchen, ehe wir zu neuen Erkundungen aufbrechen würden.

Etwas warmes Essen und erholsamer Schlaf waren uns nun sehr willkommen. Olthek ging voran und zeigte uns den Weg. Der Eingang, in den er uns führte, war ebenso organisch gestaltet, wie der Tunnel zur Bibliothek, nur dass der Tunnel in Inneren eine Linkskurve beschrieb und am anderen Ende wieder auf den Hauptplatz mündete. Rechts des Ganges lag eine Höhle, in der sich Bänke und Tische befanden die aussahen, wie aus dem Boden gewachsen. Aufmerksam schauten wir uns in den Räumlichkeiten um. Links erstreckte sich eine Theke entlang der gewölbten Wand, an der sich im hinteren Bereich ein weiterer bogenförmiger Tunnel anschloss, welcher den Schankraum mit einem Schlafsaal und einem Waschraum verband. Die rechte Seite des Raumes nahm die offene Küche ein.

 

Allgegenwärtig war auch hier der violette Schein der Leuchtsteine und Kristallzwerge.

Im Schlafsaal legten wir unser Gepäck ab und besahen uns dann die Theke näher. In das Gestein waren Rohre mit Ventilen eingelassen, darunter war ein flaches Becken mit einem Abfluss errichtet worden. Foret probierte die Hähne aus. Kaum hatte er das Ventil geöffnet, sprudelte Flüssigkeit aus dem Rohr und floss über das Becken ab. „Riecht, als könnte man das trinken.“, bemerkte er und blickte sich nach einem Becher um. Diese standen auf einem Regal, das aus der Wand herausragte, und sie waren durchsichtig und erinnerten mich an die Trinkgläser der Menschen, für uns Zwerge war das aber etwas Neues. Jetzt hielt Foret eines der Gläser unter den Auslass und füllte es mit bernsteinfarbener Flüssigkeit, die einen weißen Schaum beim Eingießen bildete. Ich ließ es mir nicht nehmen, davon zu kosten. Das Getränk sah aus wie Bier, roch nach Bier und schmeckte auch nach Bier, nur leicht abgestanden. Olthek zapfte sich ein Glas aus dem anderen Zapfhahn voll, nachdem er etwas hatte ablaufen lassen. Es handelte sich um Met, wie wir uns auch hätten denken können. Dieser besaß eine besondere Note, die ich nicht kannte und auch kaum beschreiben kann. Nicht zu süß, doch der volle Geschmack von Honig. Er stieg mir nicht zu sehr in den Kopf, hatte demnach einen geringen Alkoholgehalt. Das Gefühl auf Zunge und Gaumen war leicht kühl und prickelnd, ähnlich einem Schaumwein. Ich war sehr überrascht davon und füllte mir nach der ersten Kostprobe das Glas sofort wieder auf.

 

Foret machte sich mit der Küchenzeile gegenüber vertraut und Olthek setzte sich mit einem vollen Krug Bier auf eine der Bänke an einen langen Tisch. Er trank in einem Zug leer, stand auf und zapfte ihn erneut voll. Ein Gespräch ergab sich vorerst nicht zwischen uns und jeder hing seinen eigenen schwermütigen Gedanken nach. Glücklicherweise war es in diesen Räumen nicht ganz so kalt wie in den anderen bisher von uns erforschten Teilen der Kallâ Atâr, die Hitze der Kochstelle tat ihr Übriges dazu und wir konnten die dicken Kleidungsstücke ausziehen. Foret musste aus unseren eigenen Vorräten ein Gericht kochen, da wir keine gelagerten Lebensmittel fanden, nicht einmal Pilze. Er entschied sich diesmal für eine Suppe mit Wurzelgemüse, getrockneten Kräutern und Pilzen. Als er damit fertig war, stellte er den Kessel auf den Steintisch und legte eine große lange Kelle dazu. „Schüsseln und Löffel findet ihr da drüben im Regal.“, grummelte er uns an. „Danke Foret.“, sagten Olthek und ich gleichzeitig, standen auf und holten das Geschirr. Der Eintopf schmeckte delikat. Unsere Laune wurde ein wenig besserte und das Essen wärmte uns von innen. Eine Wohltat nach den vielen Stunden in der Kälte.

Der Kessel wurde nicht leer, aber wir wollten nichts vom dem guten Eintopf wegwerfen, also tat Foret einen Deckel darauf und wir reinigten nur das Geschirr gemeinsam schweigend und räumten es wieder zurück.

 

Müde und immer noch traurig über das selbst gewählte Schicksal unserer belesenen Brüder gingen wir schlafen. Wachen mussten wir hier nicht einteilen, denn ein Eindringen unerwünschter Wesen war nahezu ausgeschlossen. Ich legte mich auf eine der steinernen Pritschen im Schlafsaal, auf die ich die Felle gelegt hatte, um nicht auf dem nackten kalten Stein nächtigen zu müssen und kuschelte mich in meine Decke. Mir gingen aber zu viele Gedanken durch den Kopf, um schnell zur Ruhe zu kommen. Sie begannen hier in Kallâ Atâr, wanderten durch die Tunnel zurück in die Eisenbinge und sogar bis nach Birnai zu den Uberts. Langsam dämmerte ich in unruhigen Schlaf hinein.

Als ich gerädert aufwachte, schlief Foret noch und Olthek saß im Schankraum. Meine Schritte trugen mich schlurfend in den Waschraum und zu den sanitären Anlagen. Erst nachdem ich mich ausgiebig gereinigt hatte, fühlte ich mich etwas besser, doch die Stimmung blieb bedrückt. Ich ging mich fertig anziehen und suchte danach den jungen Zwerg auf, um zu versuchen ihn aufzumuntern.

 

In der Küche setzte ich Wasser auf, um mir einen Aufguss zu machen, außerdem suchte ich mir ein paar Dinge für ein kleines Frühstück zusammen. Als ich soweit war, setzte ich mich mit einer dampfenden Schale und einigen belegten Broten zu Olthek. „Das Grübeln und Trübsal Blasen tut keinem von uns gut. Hier, iss.“, forderte ich ihn auf und stellte das Brett mit dem Essen zwischen uns auf den Tisch. „Hast du auch eine Tasse Kräuteraufguss für mich, Daril?“, fragte er mich müde lächelnd. Ich nickte und bereitete auch ihm eine Tasse davon zu. Er nahm sie dankend an, als ich sie vor ihm abstellte. „Weißt du, dass die Wissenden sich so aus der Welt zurückgezogen hatten, finde ich eines Zwerges nicht angemessen. Wir im Hartfels haben Freude daran, unser Wissen und unsere Fertigkeiten den Jüngeren näherzubringen und bewahren sie auf diese Weise. Wenn sich dadurch Dinge verändern und verbessern, ist dies eben deren Lauf. Diese Zwerge hier verweilen in der Vergangenheit und in ihren Träumen, aber sie bewirken nichts.“, versuchte er mir seine Gedanken mitzuteilen.

„Damit hast du recht, Khazdith. Deshalb versuchte ich, den ‚Schritt in die Ewigkeit‘ hinauszuzögern.“, sprach plötzlich eine klirrende Stimme vom Eingang der Taverne her. Unsere überraschten Blicke richteten sich sofort dorthin. Rognil hatte es geschafft, sich aus seiner Steingestalt zu lösen, aber die Rückverwandlung war nicht komplett geglückt. Sein Äußeres glitzerte rötlich im schwachen Licht, er wirkte wie aus gefärbtem Glas und trug die gewöhnliche bequeme Kleidung eines Gelehrten, die aus einem weiten Umhang und einer locker sitzenden Hose bestand. Ein ungewöhnlicher Anblick.

„Shamukh Rognil, Belgirul.“, grüßte ich ihn förmlich und deute eine Verbeugung an. Olthek tat es mir gleich. „Unser Freund ruht noch, aber ich werde ihn holen, da Ihr nun hier seid, Rognil.“, sagte er und ging in den hinteren Raum, um Foret zu wecken. Der merkwürdig aussehende Zwerg trat nun in den Schankraum und setzte sich. Seine Schritte klangen schwer und klirrend. „Ihr müsst Daril sein, den man auch den Bewahrer nennt. Mein Vater dürfte Euch noch persönlich bekannt sein. Er blieb damals in der Eisenbinge zurück, als wir sie verließen.“ „Und Ihr wart mit den Steinformern unterwegs, die mich in meiner Kapsel fortbrachten.“, setzte ich seine Ausführungen fort. „Ich habe gelesen, was Ihr in der Halle des Vermächtnisses hinterlassen habt. Wir waren vor Kurzem dort. Das Archiv ist überwältigend.“ Rognil nickte schwerfällig. „Ihr habt also meinen Bericht gefunden. Das erfreut mich.“ Ich glaubte ein Lächeln in seinen unwirklichen Zügen erkennen zu können.

 

In diesem Moment kehrte Olthek zurück. „Entschuldigt. Foret kommt, sobald er sich frisch gemacht hat.“, berichtete er. Rognil wandte sich an Olthek: „Danke, dass Ihr mich geweckt habt, Olthek. Ich hatte damals nicht ganz freiwillig am ‚Schritt in die Ewigkeit‘ teilgenommen. Zilkon war recht streng und duldete keinen Protest.“, erklärte der Kristallene. Endlich betrat Foret den Schankraum und er betrachtete Rognil mit unverhohlener Neugierde. „Shamukh khazdûn belbul.“, grüßte er den Einheimischen. „Ihr seid geradeaus, das gefällt mir. Ich habe nichts dagegen, ‚Kristallzwerg‘ genannt zu werden. Meinen Gruß an Euch, Foret.“, erwiderte Rognil hörbar amüsiert.

Ich ging zur Küchenzeile und brühte frisch Kräuter in einem großen Krug auf, damit wir alle davon trinken konnten. Wir unterhielten uns lange und ausführlich, Rognil sagte zu, sich uns anzuschließen und sein Wissen zu teilen. Nach einem reichhaltigen Mittagsmahl, das Foret zubereitete, gingen wir zu viert zur großen Säule der Kalten Tunnel.

Unser neuer Gefährte war noch etwas langsam zu Fuß, daher ließen wir uns auf dem Weg dorthin viel Zeit. Olthek berührten den würfelförmigen Sockel, woraufhin die Inschriften auf den vier Außenseiten in violettem Licht erschienen.

 

„Wissen ohne Weisheit ist ohne Wert.“

„Erkennt die Wahrheit und formt daraus die Zukunft.“

„Die alten Geschichten wiesen euch den Weg.“

„Vertraut auf eure Fähigkeiten.“

 

„Zilkon fehlte meiner Ansicht nach die Weisheit, die Konsequenzen seines Vorhabens zu sehen.“, äußerte sich Foret. „Ich kann ein Werkzeug benutzen, eine Waffe führen, Essen kochen und Tränke brauen. Das dürften brauchbare Talente sein.“ Wir anderen drei Zwerge nickten zustimmend. Olthek meinte, das Neugier gepaart mit Besonnenheit vieles ans Licht brächte. „Gehen wir in die Bibliothek, um noch mehr herauszufinden.“, schlug ich vor. „Bevor Zilkon und seine Getreuen die Idee mit der erweiterten Steingestalt unter die Leute brachten, besuchte ich alle sieben Gilden in ihren neuen Siedlungen, aber keine davon war so verbohrt wie die Wissenden. Das hatte ich am wenigsten erwartet.“, bemerkte Rognil.

Bald waren wir an der Bibliothek angelangt, an dessen Eingang Rognil den kristallinen Zilkon abfällig ansah. Drinnen machten wir vier uns sofort auf die Suche nach Schriften, die uns hilfreich sein könnten. „Wir wissen, dass die Steinformer Gabil‘urdûm gebaut haben und die Stadt später dem Zabad 'abbud überlassen hatten, bevor sie sich erneut auf den Weg machten. Doch wohin gingen sie?“, überlegte Foret laut.

 

Ich kannte einen Teil der Antwort und erzählte davon: „Die Gilde der Steinformer hatte mich, eingeschlossen in Stein, in ihrer Obhut. Rognil begleitete sie auf ihren Weg nach Südwesten in die Höhen, die die Menschen das Riesengebirge nennen und hielt ihre Geschichte bis dahin fest. Später verließen sie die große Halle westwärts. Meine Kapsel versteckten sie in einer Felshöhle im Elbsandsteingebirge, wo sie vor einiger Zeit von einem guten Menschen gefunden wurde. Vermutlich sind die Steinformer von dort weiter nach Westen zum Hochgebirge hin gegangen oder auch zu den nördlichen Mittelgebirgen. Das müssen wir herausfinden.“

„Was wissen wir über die Feuerlenker, die Druiden, die Köche und die Händler? Von denen haben wir bisher nie gesprochen,“, wollte Olthek wissen. Rognil räusperte sich und antwortete: „Daril hatte erzählt, dass er meine Berichte in Tumunkazor gelesen hätte, darin schrieb ich, wohin die Gilden gegangen waren. Manche Orte sind sehr weit weg von hier, andere einfacher zu erreichen. Ich bin Euch immer zu Diensten, fragt nur.“ Foret meldete sich wieder zu Wort: „Dann sollten wir klug vorgehen und bei der Gilde beginnen, deren neue Heimstatt am nächsten sein könnte.“ „Das sind die Steinformer, deshalb habe ich mich mehr auf sie konzentriert. Danach sollten wir die Meister der Küche ausfindig machen, gefolgt von den Druiden und zu guter Letzt versuchen wir zu den Feuerlenkern zu gelangen, die auf einer entfernten Insel leben sollen.“, bemühte ich mich zu erklären. Rognil nickte. „Das ist vernünftig Daril. Ich werde euch führen, soweit mir das möglich ist, denn seit meiner Versteinerung ist viel Zeit vergangen. Viel mag seitdem geschehen sein.“, bestätigte er meinen Vorschlag. Die beiden anderen Zwerge zeigten sich ebenfalls einverstanden. „Brauchen wir dann von diesem verfluchten Ort noch etwas?“, wollte Foret wissen und ergänzte: “Ich möchte gern weg von hier.“

„Wir brauchen noch Vorräte für die Weiterreise, aber ich glaube nicht, dass wir hier viel finden werden.“, gab Olthek zu bedenken. „In den Gärten werden wir unseren Proviant aufstocken können. Ich bringe euch hin.“, versprach Rognil.

Meine Idee, die Bibliothek aufzusuchen, um in den Büchern Hinweise zu finden, hatte durch das Gespräch an Sinn verloren und wir machten uns auf zu den erwähnten Gärten.

 

Unser Weg führte uns wieder zu der Markierungssäule, dann aber an ihr vorbei und auf die gegenüberliegende Seite des großen Platzes. Wie es hier für gewöhnlich erschien, konnte man den abzweigenden Tunnel erst erkennen, wenn man nah herangekommen war. Im Inneren eröffnete sich uns eine andere Welt als in anderen Teilen der Kalten Tunnel. Die Beleuchtung schien hier etwas heller und dem Sonnenlicht sehr ähnlich. In den Reihen der Hochbeete wuchsen wild verschiedenste Pflanzen. „Willkommen in den Gärten, Freunde.“, lud Rognil uns ein, das Gewächshaus zu betreten. „Das Licht ahmt den Lauf der Sonne nach, sodass es hier einen regelmäßigen Tag-Nacht-Zyklus gibt, damit die Oberflächenpflanzen gut gedeihen. Die Bewässerung erledigt sich durch Magie ebenfalls selbstständig. In den anschließenden Räumen befinden sich sowohl eine Pilzzucht als auch ein Herbarium, die ebenfalls ohne zwergischem Zutun bewirtschaftet werden.“, erklärte er die Anlage. Foret nickte eifrig und mit anerkennendem Blick. „Dann können wir uns bevorraten und bald die Weiterreise antreten, wenn ihr alle einverstanden seid.“ Das waren wir und wir schauten uns die Gärten eingehender an, nahmen von Allem reichlich an uns und begaben uns schließlich auf den Rückweg zur Bogenschänke. Diesmal folgten wir dem kreisförmigen Platz, dessen Mitte von einer gigantischen Steinsäule gestützt wurde, hinter der sich die Landmarke befand, linksherum, wodurch wir das Ziel schnell erreichten.

Die Laune von Olthek, Foret und mir hatte sich sichtlich gebessert und wir machten uns gemeinsam unter Forets Anleitung daran, ein warmes Mahl auf den Weg zu bringen. Mit kleinen Messern schälten und schnitten wir zu dritt Pilze und Gemüse, während der Koch Wasser aufsetzte und in einer großen Pfanne Fett schmelzen ließ, in der er gewürfelte Zwiebeln anschwitzte. Später fügte er so viele geschnittene Pilze hinzu, dass sie in der Pfanne einen kleinen Berg formten. In einem der zwei Töpfe köchelten Möhren- und Pastinakenstücke vor sich hin, in dem anderen garten braune Bohnenkerne. In der Taverne duftete es köstlich und wir freuten uns auf das gemeinsame Essen, als ein schleifendes und klackendes Geräusch von draußen mich aufhorchen ließ. Rognil und ich gingen nachsehen, die anderen beiden sollten auf das Essen acht geben.

 

Ein vage zwergenähnlicher Kristall ging unbeholfen auf uns zu, der Schänke entgegen. Die durchscheinenden Steine glitzerten blau, violett und rot im fahlen Licht. Konnte das Spinella sein, die ihre Einstellung überdacht hatte? Rognil lief dem Wesen entgegen. „Wie kann das sein, dass du wach bist? Komm, wir helfen dir.“ Er winkte mir zu und gemeinsam brachten wir die Gestalt in den Schankraum. Olthek nahm sich ihrer an und legte seine Hände auf die fast undurchdringliche Oberfläche. „Es ist Spinella. Sie hatte meine Traurigkeit gespürt und versucht, ihre kristalline Form aufzugeben. Leider ist ihr das nur zum Teil geglückt. Kann man ihr helfen, Rognil?“, fragte der junge Zwerg aufgeregt. „Wenn wir alle vier sie gemeinsam unterstützen, mag es sein, dass wir sie ganz zurückholen können. Foret deaktivierte die Hitzesteine, dann stellten wir und um Spinella im Kreis auf, berührten mit einer Hand den Kristallkörper und mit der anderen die Schulter unseres Nebenmannes. Olthek hielt die mentale Verbindung zu der Zwergin und Rognil flüsterte beschwörende Worte. Foret und ich konzentrierten uns darauf, die Steingestalt aufzulösen. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir da so standen, aber die Kristalle bildeten sich langsam zurück, als würde Eis schmelzen. Irgendwann lagen unsere ausgestreckten Hände auf Spinellas Schultern und wir hörten ihr regelmäßiges Atmen. Ihre Haut blieb wie bei Rognil durchscheinend und fest, aber sie war am Leben und aus ihrer langen Starre befreit. „Akhmini Khazâd.“, dankte sie uns mit schwacher Stimme. Foret begab sich in die Küche und erwärmte das Essen, ich sorgte für frischen Kräutersud und Olthek kümmerte sich um die Versorgung mit Met und Bier. Rognil blieb bei seiner Bekannten und half ihr, sich wieder zurechtzufinden.

 

Zusammen beluden wir die lange Tischfläche mit den Speisen und Getränken, deckten mit Geschirr für sechs Leute ein und Setzten uns hungrig und gespannt zu den beiden Kristallzwergen. Mit noch schwacher Stimme sprach die Zwergenfrau zu uns, während sie immer wieder von ihrer Tasse nippte. „Mein Name ist Spigna, Tochter des Ulnog, dem Wortschmied. Spinella ist mein Kosename, weil ich die bunten Kristalle des Spinell so schön finde und solche Steine früher gesammelt habe. Nachdem Olthek mit mir gesprochen hatte, bekam ich zunehmend Zweifel an dem ‚Schritt in die Ewigkeit‘ und versuchte die Steingestalt abzulegen. Als ich fühlte, dass ich mich wieder bewegen kann, machte ich mich auf, euch zu finden. Die Bogenschänke war mein erster Anlaufpunkt, weil ich dachte, Besucher würden hier am ehesten ihr Lager aufschlagen. Nun bin ich hier. Der heiße Kräutertrunk wärmt mich und tut sehr gut. Habt Dank, ihr alle.“

 

Nun aßen wir gemeinsam von den Pilzen, dem Wurzelpüree und den Bohnen, sowie dem restlichen Eintopf des Vorabends. Dabei beherrschten vorerst einvernehmliches Schmatzen und Kauen die Geräuschkulisse, ehe wir das Gespräch fortsetzten. Die beiden Bewohner Kallâ Atârs aßen nicht viel davon, aber sie lobten Foret außerordentlich für das köstliche Mahl. Vielleicht mussten sich ihre Körper erst wieder dran gewöhnen, Nahrung aufzunehmen. Der Appetit von uns drei Besuchern war aber so groß, dass alles aufgegessen wurde.

Auch Spigna wollte sich unserer Sache anschließen und mit uns die anderen Gilden besuchen. Wir unterhielten uns noch lange miteinander, bis wir in den Schlafsaal gingen, um uns zur Ruhe zu begeben. Danach wollten wir die Reise vorbereiten und uns dann zu fünft auf den Weg in das Riesengebirge machen.

 

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